Meine Pferdegeschichte

Reiten wollte ich schon immer, doch meine Eltern davon zu überzeugen hat lange gedauert. Mit Ausnahme von ein paar Schnupperstunden und Ferienausflügen, war jeder Ritt nur in meiner Fantasie, bis ich 10 war. Dann durfte ich endlich in der Reitschule anfangen.

Einmal die Woche ging es in den Stall, meine Mutter kam immer mit, denn alleine konnte ich Casanova nicht vor der Halle festhalten, sonst ist er zurück in den Stall gelaufen. Ich war glücklich endlich reiten zu können und habe ganz besonders die Zeit vor der Reitstunde mit dem Pony genossen. Denn anstatt danach noch ausgiebig zu loben, ist Casanova noch eine weitere Stunde mitgelaufen, vielleicht auch schon eine Stunde vor mir.  Ich fand das zwar doof, war aber glücklich reiten zu dürfen.

5 Jahre lang blieb ich in der Reitschule, glücklich mit mehr Tieren Kontakt zu haben, als nur den Meerschweinchen, die zu Hause gewartet haben. Doch irgendwann fing ich an die Idee noch weiter zu hinterfragen. Wenn ich ein eigenes Pferd habe, dann soll es in einem Offenstall stehen, wusste ich bevor ich je Reitunterricht hatte – doch jetzt saß ich auf einem Pferd, das keinen Spaß dabei hat und vor allem sind Pferde doch niemals glücklich, wenn sie geritten werden?!

Nie wieder wollte ich reiten, weil mir das Erlebte so sehr weh tat. Der müde und unglückliche Ausdruck in den Augen der Pferde. Aber vermisst habe ich es trotzdem. Ein halbes Jahr später, wurde ich angesprochen, ob ich nicht Lust hätte wieder zu reiten und eine Reitbeteiligung anzunehmen.  Ja, unbedingt, aber reiten? Aber versuchen wollte ich es, wenn auch erstmal nur longieren und vor allem putzen.

Die nächsten 3 Monate bin ich zweimal die Woche in den Stall gefahren, meine Mutter zunächst stets an meiner Seite und habe Qa Tuur, einen Araber Wallach, „longiert“ und das nach Parelli. Wie das aussieht? Das Pferd steht in der Mitte, ich außen herum, völlig überfordert, und ab und zu wird dann nochmal ein Biss angedroht, damit ich auch bloß nicht zu sehr in die Kreismitte komme oder meine Gangart wechsle 😉 So weit so gut. Respekt hatte ich zwar sehr viel vor ihm, aber das beruhte zu dem Zeitpunkt eher weniger auf Gegenseitigkeit.

Bodenarbeit ging also nicht und vielleicht, wenn man vorsichtig ist, kann man ja auch reiten? Die erste Reitstunde in der ich tatsächlich was lernte und monatelang reines Reiten folgten – da hatte ich zumindest meistens die Kontrolle und weniger Angst, geritten, wenn auch anders, bin ich schließlich auch vorher schon.

Ein gutes Jahr hat es gedauert, bis wir beide Vertrauen aufgebaut haben und ich anfing zufrieden zu sein, mit dem was ich tat. Viele Stunden Bodenarbeit mit Unterricht, noch mehr Stunden in denen ich das Internet durchforstete und ein Ausflug zu den Dülmener Wildpferden, lagen dazwischen. Die Kombination war das was ich brauchte. Als ich dann im Sommer letzten Jahres bei Uwe Weinzierl war, wusste ich von der Seilarbeit schon viel und danach hatte ich auch mehr als nur Ideen von der Freiarbeit. Von da an hing regelmäßig einmal durch die Halle ein Absperrband und aus der Dressur Halle wurden zwei mehr oder weniger runde, Round Pens.

Seitdem ist wieder ein Jahr vergangen, ich habe gelernt mehr aus der Intuition zu entscheiden, ganz besonders bei den Pferden und mit weniger Druck und dafür mehr Entspannung zu arbeiten. Nach einem Wochenende  hat mein Leb

en verändert und mich zu meiner Intuition gebracht. Mit dieser gebe ich derzeitig etwas Unterricht bei uns im Stall und gehe mit den Pferden nicht mehr einen festen Weg mit 

Beim Unterrichten

der einen richtigen Methode, sondern baue etwas zu dem Pferd und Besitzer passendes auf. Jeder Schritt entwickelt sich dafür ganz individuell aus den vorherigen.