Verwurzelt wie ein Baum

Noch bin ich nicht weit gereist, war bei noch nicht all zu vielen Pferden und habe nicht viele Menschen getroffen. Aber wenn ich eins in den letzten Tagen immer wieder gemerkt habe, dann ist es wie wichtig Multitasking in unserer Gesellschaft geworden ist. Es ist so sehr in uns verankert, dass wir gar nicht aufhören wollen und können, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun.

Wir sind stehts mit dem Kopf wo anders oder gucken nebenbei noch aufs Smartphone. Doch während das im normalen Gespräch kaum auffällt – es beruht schließlich auf Gegenseitigkeit – so machen uns die Pferde gerne darauf aufmerksam. Mir wurde erzählt, etwas bestimmtes geht nicht mit dem Pferd, entsprechend habe ich es erstmal von den Besitzern zeigen lassen um die Situation besser einschätzen zu können. Das Pferd zeigt ohne Probleme genau das was es soll, weise ich die Besitzer daraufhin, kommt ein „Aber sobald ich ein wenig abgelenkt bin, klappt es nicht mehr“.

Aber ist das verwunderlich? Wenn ein Pferd sich von uns führen lässt, vertraut es uns soweit, dass wir jetzt dafür verantwortlich sind nach Gefahren Ausschau zu halten. Doch wie soll man den Löwen im Gebüsch lauern sehen, wenn man in seinen Tagträumen versunken ist? Da muss man ja davon ausgehen, nicht sicher zu sein, weder in dem was man tut noch, in der Situation gesamt.

Zudem, wer tut schon gerne etwas für den Anderen, wenn dieser keinen Kopf mehr dafür hat?

In der Natur der Pferde ist es eher ruhig zu sein und vor allem fokussiert. Entsprechend wichtig ist es auch seinen eigenen Fokus kontrollieren zu können. Dazu eine kleine Erzählung aus dem Zen-Buddhismus:

Ein Schüler fragte einmal seinen Meister, warum dieser immer so ruhig und gelassen sein könne.
Der Meister antwortete:

“Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich.”
Der Schüler fiel dem Meister in Wort und sagte:

“Aber das tue ich auch! Was machst Du darüber hinaus?”
Der Meister blieb ganz ruhig und wiederholte wie zuvor:

“Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich…”
Wieder sagte der Schüler: “Aber das tue ich doch auch!”

“Nein”, sagte da der Meister. “Wenn Du sitzt,
dann stehst Du schon.
Wenn Du stehst, dann gehst Du schon.
Wenn Du gehst, dann bist Du schon am Ziel.”

Wenn du das nächste mal bei deinem Pferd bist, denke noch einmal ganz bewusst an diese Worte und fange dann erst mit der Arbeit an.

Ich musste heute über genau dieses Thema schreiben, denn als hätte mir die Natur nochmal zeigen wollen, wie es nicht sein soll, kippte heute ein Baum auf den Trail, während ich diesen abäppelte. Ich war vollkommen fokussiert auf diese doch recht einfache Aufgabe, bis auf einmal die Pferde vor Schreck an mir vorbei zum Unterstand liefen. Sie hatten nur ein paar Meter weiter vorher noch genüsslich ihr Heu gefressen. Niemandem ist etwas passiert und danach wurde das Stück Trail erstmal abgesperrt. Gewissermaßen ist dieser Baum für mich heute genau das gewesen, was sonst in unserem menschlichen Kopf passiert. Plötzlich, wie aus dem Nichts heraus springen wir in unseren Gedanken von einem Ort zum nächsten und sind nicht mehr im Hier und Jetzt verankert. Während der Baum umkippte zerbrach damit auch seine Verbindung mit der Erde und damit dem Hier und Jetzt.

Im Bild bekommst du schon einen kleinen Einblick, was wir heute noch gemacht haben, dazu die Tage mehr!

Ich freue mich auch dich demnächst kennen zulernen!

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